The Method: How the Twentieth Century Learned to Act – Eine Leseempfehlung für Schauspieler:innen
Wenn wir an „Method Acting“ denken, kommen uns oft bestimmte Bilder in den Sinn: Robert De Niro, der für Raging Bull 60 Kilogramm zunimmt, Schauspieler, die auch zwischen den Dreharbeiten nie aus ihrer Rolle fallen, oder die intensive emotionale Vorbereitung, die in der Popkultur gleichermaßen gefeiert und parodiert wird. Doch wie Kulturhistoriker Isaac Butler in seinem bahnbrechenden Werk The Method: How the Twentieth Century Learned to Act zeigt, kratzt dieses populäre Verständnis kaum an der Oberfläche.
Das 2022 bei Bloomsbury Publishing erschienene Buch wurde von der Kritik als „der gegenwärtige und wahrscheinlich zukünftige Standard für Bücher zu diesem Thema“ gefeiert und mit dem National Book Critics Circle Award for Nonfiction 2022 ausgezeichnet. Es ist in jeder Hinsicht eine unverzichtbare Lektüre für alle, die das Handwerk der Schauspielkunst ernst nehmen.
Worum es in dem Buch geht
Butler bietet kein weiteres technisches Handbuch über Schauspieltechnik. Stattdessen nähert er sich der Methode, als wäre sie „eine Biografie“ – er macht die Methode selbst zur „Protagonistin ihrer eigenen Geschichte“. Sein ehrgeiziger erzählerischer Bogen verfolgt den Weg der modernen psychologischen Schauspielkunst von ihren Wurzeln im zaristischen Russland des 19. Jahrhunderts über ihre Blüte am Broadway und in Hollywood bis zu ihrem anhaltenden Einfluss auf die zeitgenössische Darstellungskunst.
Das Buch ist in drei große „Akte“ mit 24 Kapiteln gegliedert. Akt eins, „The Kingdom of Dreams“ (Das Reich der Träume), entführt die Leser nach Moskau ins Jahr 1898, wo Konstantin Stanislawski und Wladimir Nemiróvitch-Dántchenko das Moskauer Künstlertheater gründeten und ihre revolutionäre Suche begannen, die theatralische Künstlichkeit durch psychologische Wahrheit zu ersetzen. Butler zeigt, wie Stanislawski, frustriert vom vorhersehbaren Spektakel der russischen Bühne des späten 19. Jahrhunderts, das Theater als „ernsthaft betriebene Kunst“ wollte, „aufgeführt von Profis, die ihr Bestes für eine kollektive Vision gaben“.
Akt zwei, „Togetherness“ (Zusammenhalt), folgt der Transplantation der Methode nach Amerika durch das Group Theatre, das 1931 von Harold Clurman, Lee Strasberg und Cheryl Crawford gegründet wurde. Dieser Abschnitt stellt die legendären Lehrer vor – Stella Adler, Elia Kazan und andere – deren erbitterte Meinungsverschiedenheiten über die Technik (insbesondere Strasbergs „affective memory“ versus Adlers Betonung der Vorstellungskraft) die Entwicklung der Methode über Jahrzehnte prägten.
Akt drei führt die Geschichte nach Hollywood, wo methodisch ausgebildete Schauspieler wie Marlon Brando, Montgomery Clift, James Dean und Marilyn Monroe die Film-Schauspielkunst für immer veränderten. Butler schildert, wie die Methode von den New Yorker Bühnen zu den Tonstudios in Los Angeles wanderte und alles beeinflusste, von Endstation Sehnsucht bis zu Wie ein wilder Stier.
Warum dieses Buch wichtig ist
Was Butlers Darstellung so fesselnd macht, ist sein Argument, dass die Methode niemals „nur eine Schauspieltheorie“ war, sondern vielmehr „eine transformative, revolutionäre, modernistische Kunstbewegung, eine der großen Ideen des zwanzigsten Jahrhunderts“. Die Methode, so Butler, erforschte fundamentale Fragen: „was ein Mensch ist und wie ein Mensch funktioniert“.
Das Buch handelt nicht einfach von Technik. Butler stellt die Methode in größere historische und politische Zusammenhänge – von der Russischen Revolution über die Weltwirtschaftskrise bis zur Ära der Hollywood-Blacklist. Er zeigt, wie die Schauspielkunst von Kriegen, gesellschaftlichem Wandel und persönlichen sowie ästhetischen Auseinandersetzungen beeinflusst wurde. Das Ergebnis ist eine weitgespannte Kulturgeschichte, die offenbart, wie die Art, wie wir auf der Bühne und auf der Leinwand spielen, widerspiegelt, wie wir uns selbst als Menschen verstehen.
Butler erweckt die Geschichte auch mit lebendigen Persönlichkeiten und Dramen hinter den Kulissen zum Leben. Das Figurenensemble umfasst John Garfield, Kim Stanley und sogar die angespannte Beziehung zwischen Meryl Streep und Dustin Hoffman während der Dreharbeiten zu Kramer gegen Kramer. Doch Butler verliert nie die größeren intellektuellen Zusammenhänge aus den Augen. Wie ein Rezensent anmerkte, ist das Buch „eine spannende Erzählung von großen Ideen und faszinierenden Charakteren, die man kaum aus der Hand legen kann“.
Für den praktizierenden Schauspieler
Für Schauspieler, die am Schott Acting Studio ausgebildet werden, bietet dieses Buch eine unschätzbare Perspektive. Es beleuchtet, woher unsere Techniken kommen, warum verschiedene Lehrer unterschiedliche Ansätze betonen und wie sich das Handwerk zu dem entwickelt hat, was es heute ist. Butlers zentrales Thema – die Suche nach Perezhivanie, dem Zustand des tiefen „Erlebens“ einer Rolle – spricht direkt an, wonach jeder Schauspieler strebt.
Wie Butler selbst sagt, half die Methode, Darstellungen hervorzubringen, in denen Schauspieler „wirklich lebendig im Moment und wirklich präsent“ wirken – wo wir den Figuren beim Denken, Fühlen und Kämpfen in all ihrer Komplexität zusehen. Das ist die Art von Wahrheit, die wir in unserer Arbeit verfolgen, und das Verständnis ihrer Geschichte vertieft unsere Fähigkeit, sie zu erreichen.
Weiterführende Ressourcen
Verlag: Bloomsbury Publishing
www.bloomsbury.com/ca/method-9781635574784
Autor: Isaac Butler
slate.com/author/isaac-butler
Butler ist Kulturkritiker, Theaterregisseur und Co-Moderator des Slate-Podcasts „Working“ über den kreativen Prozess. Seine Texte erschienen in New York magazine, Slate, The Guardian und American Theatre.
Ausgewählte Interviews & Vorträge:
-
Fresh Air with Terry Gross (NPR): Ein ausführliches Gespräch über das Buch und die Geschichte des Method Acting
-
CBC Radio – Ideas: „Forget the Oscars — what makes a truly great actor?“ – Butler diskutiert, wie die Schauspielkunst zur Suche nach psychologischer und emotionaler Wahrheit wurde
-
Decoder Ring (Slate Podcast): „The Madness Behind ‚The Method'“ – eine Untersuchung, wie die Methode so bekannt und doch so weitgehend missverstanden wurde
-
RadioWest (KUER): „How The 20th Century Learned To Act“ – Butler darüber, wie sich das Handwerk zu der bemerkenswerten Fähigkeit entwickelt hat, die wir heute kennen
-
Booksoup: Isaac Butler im Gespräch mit Dana Schwartz über The Method
Video/Vortrag: NNV Zoom Lecture über The Method (Aufzeichnung verfügbar)
Abschließende Empfehlung
The Method: How the Twentieth Century Learned to Act ist nicht bloß ein Geschichtsbuch – es ist eine Einladung, unser Handwerk tiefer zu verstehen. Für Schauspieler, Regisseure und alle, die Theater und Film lieben, bietet Butlers Werk sowohl Bildung als auch Inspiration. Es erinnert uns daran, dass das, was wir auf der Bühne tun, Teil eines großen, fortwährenden menschlichen Projekts ist: der Suche nach Wahrheit durch die Darstellung.








